Der Schweizer Markt für kontrollierte Wohnraumlüftung entwickelt sich Mitte 2026 stabil, aber mit deutlichen Akzenten auf Effizienz und Hygiene. Die Nachfrage wird vor allem durch verschärfte kantonale Energievorschriften und das wachsende Bewusstsein für Innenraumluftqualität getrieben. Während zentrale Systeme mit Wärmerückgewinnung im Neubau Standard sind, gewinnen dezentrale Lösungen in der Altbausanierung an Bedeutung.

Normen und regulatorische Rahmenbedingungen

Die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn) verlangen bei Neubauten und umfassenden Sanierungen den Nachweis einer ausreichenden Lüftung. Gleichzeitig fordern sie minimale Luftvolumenströme und Wärmerückgewinnungsgrade von mindestens 75 Prozent bei zentralen Anlagen. Diese Vorgaben haben den Markt für hocheffiziente Geräte mit Wärmetauschern und Enthalpietauschern weiter beflügelt. Neben der Energieeffizienz rückt auch die Hygiene stärker in den Fokus: Trinkwasserqualität und Lufthygiene werden zunehmend gemeinsam betrachtet, was sich in der Nachfrage nach wartungsfreundlichen Systemen niederschlägt.

Die Schweizer Norm SIA 382/1 zur Lüftungs- und Klimatechnik bleibt dabei das zentrale Planungsdokument für TGA-Ingenieure. Ergänzt wird sie durch die SIA 2024 für die Raumluftqualität, die CO₂-Grenzwerte und Filterklassen definiert. Diese Normen haben direkten Einfluss auf die Produktentwicklung der Hersteller, die verstärkt auf smarte Steuerungen und Sensorik setzen.

Markt und Anbieter: Etablierte Player dominieren

Die Schweizer Lüftungslandschaft wird nach wie vor von europäischen Herstellern geprägt. Hoval und Drexel und Weiss zählen zu den Marktführern im Segment der zentralen Wohnraumlüftung. Beide Unternehmen bieten integrierte Systeme an, die Wärmerückgewinnung mit Heiz- und Kühlregistern kombinieren. Hoval hat in den vergangenen Monaten sein Portfolio um smarte Regelungen erweitert, die den Luftvolumenstrom bedarfsgerecht anpassen. Drexel und Weiss fokussiert sich auf modulare Lösungen, die sich in bestehende Gebäudeautomation einbinden lassen.

Im Großhandel spielen Tobler Haustechnik und Walter Meier Klimatechnik eine zentrale Rolle. Sie versorgen Installateure und Planer mit Komponenten und bieten technische Beratung. Tobler hat sein Schulungsangebot für Fachhandwerker ausgebaut, um die korrekte Installation und Inbetriebnahme sicherzustellen. Walter Meier setzt verstärkt auf digitale Tools, die Planern bei der Auslegung von Volumenstromreglern und Kanalnetzen helfen.

Technische Trends: Hybridlösungen und smarte Steuerung

Ein dominierender Trend ist die Kombination von zentraler Lüftung mit dezentralen Nachheizregistern oder Plattenwärmetauschern. Diese Hybridlösungen ermöglichen es, Bestandsgebäude ohne umfassende Kanalnetze mit frischer Luft zu versorgen. Gleichzeitig erlauben sie eine raumweise Regelung, was den Komfort erhöht und Energieverluste minimiert.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Integration von CO₂- und Feuchtigkeitssensoren. Diese passen den Luftvolumenstrom automatisch an die tatsächliche Belegung an und reduzieren so den Stromverbrauch der Ventilatoren. Hersteller bieten zunehmend Geräte an, die sich über offene Protokolle wie BACnet oder Modbus in die Gebäudeautomation einbinden lassen. Das erleichtert die Umsetzung von Smart-Building-Konzepten, bei denen Lüftung, Heizung und Verschattung zentral gesteuert werden.

Herausforderungen: Fachkräftemangel und Komplexität

Der Fachkräftemangel im SHK-Handwerk bleibt auch im Lüftungsbereich spürbar. Die korrekte Planung, Installation und Wartung von Lüftungsanlagen erfordert spezialisiertes Know-how, das bei vielen Betrieben knapp ist. Gleichzeitig steigt die Komplexität der Systeme durch die Integration von Sensorik, Regelung und Gebäudeautomation. Das führt dazu, dass Fehler bei der Inbetriebnahme häufiger auftreten und die gewünschte Effizienz nicht erreicht wird.

Ein weiteres Thema ist die Wartung. Während die Technik ausgereift ist, scheitert die Praxis oft an vernachlässigten Filterwechseln und verschmutzten Wärmetauschern. Hersteller reagieren mit wartungsfreundlicheren Designs und digitalen Erinnerungssystemen, doch die Umsetzung hängt letztlich vom Endkunden ab.

Ausblick: Regulatorik und Digitalisierung als Treiber

Für die kommenden Monate wird erwartet, dass die kantonale Umsetzung der MuKEn weiter voranschreitet und zusätzliche Kantone die Anforderungen an die Lüftung verschärfen. Das dürfte die Nachfrage nach hocheffizienten Systemen weiter stützen. Parallel dazu gewinnen digitale Services an Bedeutung: Fernwartung, vorausschauende Instandhaltung und datenbasierte Optimierung des Anlagenbetriebs werden zunehmend nachgefragt.

Die Schweizer Lüftungsbranche befindet sich Mitte 2026 in einer Phase der Konsolidierung. Die Technik ist etabliert, die Normen sind klar, und die Anbieter haben ihre Portfolios geschärft. Die größten Herausforderungen liegen nun in der Verfügbarkeit von Fachpersonal und der konsequenten Umsetzung der technischen Möglichkeiten in der Praxis. Für TGA-Planer und Installateure bedeutet das: Kontinuierliche Weiterbildung und enge Zusammenarbeit mit Großhändlern und Herstellern sind entscheidend, um die Qualität der installierten Systeme zu sichern.

Verwandte Themen: Lüftungsmarkt Deutschland: Hybridlösungen, Hygiene und Smart-Steuerung im Fokus | Vorarlberg: Studie misst reale WRG-Effizienz in Passivhäusern | Lüftung & Raumluftqualität: Post-Pandemie-Standard