Der Schweizer Markt für regenerative Heiztechnik bleibt in Bewegung. Im Juli 2026 zeichnet sich ab, dass Wärmepumpen ihre dominierende Stellung im Neubau und bei der Heizungssanierung weiter ausbauen. Zugleich verschärft sich der Fachkräftemangel, der Installation und Wartung verzögert. Anbieter reagieren mit Schulungsinitiativen und standardisierten Installationskonzepten.

Wärmepumpen dominieren, Biomasse und Solarthermie stagnieren

In der Schweiz entfallen mittlerweile weit über die Hälfte aller neu installierten Heizsysteme im Wohnbau auf Wärmepumpen – Tendenz steigend. Luft-Wasser-Systeme führen dabei vor Sole-Wasser- und Grundwasser-Wärmepumpen. Hoval und CTA AG zählen zu den etablierten Anbietern, die ihre Produktlinien kontinuierlich erweitern. Hoval setzt verstärkt auf modulare Baureihen, die sich flexibel an verschiedene Leistungsklassen anpassen lassen; das Unternehmen bietet dazu umfassende Planungstools für Installateure an (hoval.ch).

Biomasse-Heizungen – vor allem Pelletkessel – bleiben in ländlichen Regionen gefragt, verzeichnen aber insgesamt stagnierende Absatzzahlen. Solarthermie für Warmwasser und Heizungsunterstützung spielt nach wie vor eine Nischenrolle, obwohl viele Hersteller Kombi-Pakete mit Wärmetauschern und Pufferspeichern anbieten. Die Zurückhaltung liegt unter anderem an der begrenzten Dachfläche in urbanen Lagen, die Bauherren inzwischen oft für Photovoltaik reservieren.

Regulatorik: MuKEn und kantonale Förderungen treiben die Nachfrage

Die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2014) schreiben vor, dass Heizungssanierungen mindestens zehn Prozent erneuerbare Energie einbinden müssen – alternativ sind Ersatzmassnahmen wie eine verbesserte Gebäudedämmung möglich. Viele Kantone haben diese Vorgaben bereits umgesetzt oder verschärft. Parallel fördert das Gebäudeprogramm Schweiz den Umstieg auf erneuerbare Heiztechnik mit Direktbeiträgen. Diese Kombination aus Pflicht und Förderung hat die Nachfrage nach Wärmepumpen in den vergangenen Monaten weiter angekurbelt.

Einige Kantone haben zudem Anfang 2026 ihre Fördersätze angepasst: Erdsondenanlagen erhalten vielerorts höhere Zuschüsse als Luft-Wasser-Systeme, da sie effizienter arbeiten und weniger Schallemissionen verursachen. Installateure berichten, dass Bauherren vermehrt nach förderfähigen Lösungen fragen und die Dimensionierung der Anlage an die maximalen Beitragsgrenzen anpassen.

Fachkräftemangel bremst Umsetzung

Trotz hoher Nachfrage stoßen Installateure an Kapazitätsgrenzen. Der Branchenverband GebäudeKlima Schweiz weist seit Monaten darauf hin, dass offene Stellen für Heizungsinstallateure, Lüftungsmonteure und Servicetechniker nur schwer zu besetzen sind. Wartezeiten von mehreren Monaten für Wärmepumpen-Installationen sind in urbanen Regionen keine Seltenheit mehr.

Anbieter wie Tobler Haustechnik (tobler.ch) und R. Nussbaum AG (nussbaum.ch) reagieren mit Schulungsprogrammen und digitalen Planungshilfen. Ziel ist es, den Aufwand pro Installation zu senken und jüngeren Fachkräften den Einstieg zu erleichtern. Einige Hersteller bieten inzwischen vorkonfektionierte Hydraulik-Module an, die nur noch vor Ort angeschlossen werden müssen – ein Ansatz, der auch die Fehlerquote reduziert.

Ausblick: Hybride Lösungen und smarte Steuerungen gewinnen an Bedeutung

Für die kommenden Monate erwarten Branchenbeobachter eine weitere Ausdifferenzierung des Angebots. Hybridheizungen, die Wärmepumpen mit bestehenden Gas- oder Öl-Heizkesseln kombinieren, werden vor allem in der Altbausanierung mit Heizkörpern verstärkt nachgefragt. Sie ermöglichen einen schrittweisen Umstieg auf erneuerbare Energie, ohne dass sofort das gesamte Verteilnetz umgebaut werden muss.

Smarte Regelungen, die Wärmepumpen mit Photovoltaik-Anlagen und Batteriespeichern vernetzen, rücken ebenfalls stärker in den Fokus. Solche Systeme optimieren den Eigenverbrauch und reduzieren die Betriebskosten. Regenerative Energien in der Schweiz bleiben damit ein dynamisches Feld, in dem technische Innovation und Fachkräftesicherung gleichermaßen über den Erfolg entscheiden.

Die Schweizer Gebäudetechnik-Branche steht vor der Herausforderung, die regulatorischen Vorgaben und das hohe Tempo der Energiewende mit ausreichend qualifiziertem Personal zu bewältigen. Nur wenn Aus- und Weiterbildung sowie standardisierte Installationskonzepte greifen, lässt sich das Potenzial erneuerbarer Heizsysteme in der Breite ausschöpfen.