Der Schweizer Markt für regenerative Energien zeigt sich Mitte 2026 in stabiler Verfassung – ohne jedoch die Dynamik zu erreichen, die für die ambitionierten Klimaziele nötig wäre. Wärmepumpen dominieren weiterhin die Neuinstallationen im Heizungsbereich, während traditionelle erneuerbare Technologien wie Biomassekessel und Solarthermie Marktanteile verlieren. Der Fachkräftemangel bleibt das zentrale Hemmnis für eine schnellere Transformation der Gebäudetechnik.
Wärmepumpen: Stabile Nachfrage, aber kaum Wachstum
Die Sole-Wasser-Wärmepumpe und Luft-Wasser-Systeme bleiben die bevorzugte Lösung für Neubauten und Sanierungen in der Schweiz. Die Absatzzahlen bewegen sich auf dem Niveau der Vormonate, ein deutlicher Nachfrageschub bleibt jedoch aus. Wie bereits berichtet, wurden in der Schweiz 10.000 Wärmepumpen-Zertifikate ausgestellt – eine Zahl, die zwar die Professionalisierung der Branche belegt, aber auch die Grenzen des aktuellen Ausbautempos aufzeigt.
Die großen Hersteller wie Hoval, Viessmann und Stiebel Eltron setzen auf modulare Systeme, die sich besonders für die Altbausanierung eignen. Hoval erweitert seine Präsenz im Schweizer Markt kontinuierlich und positioniert sich als lokaler Partner mit Schweizer Produktionskapazitäten unter hoval.ch. Auch Windhager, traditionell stark im Biomasse-Segment, passt seine Kommunikation an den Schweizer Markt an und erweitert die Kommunikation für Schweizer Markt, um Wärmepumpen-Lösungen stärker zu vermarkten.
Fachkräftemangel als Bremse für die Energiewende
Die Kapazitätsengpässe im Installateur-Handwerk verschärfen sich weiter. Der Wärmepumpenmarkt bleibt stabil – Fachkräftemangel bremst Expansion, wie Branchenvertreter berichten. Wartezeiten von mehreren Monaten für Heizungssanierungen sind inzwischen Standard. Betriebe lehnen Aufträge ab oder verschieben Projekte auf das nächste Quartal.
Die MuKEn 2014/2025 verpflichtet Gebäudeeigentümer in vielen Kantonen zum Einsatz erneuerbarer Energien beim Heizungsersatz. Doch die regulatorischen Vorgaben treffen auf eine Branche, die personell nicht ausreichend aufgestellt ist. Die Ausbildungskapazitäten im SHK-Handwerk steigen zwar langsam, können aber den Bedarf nicht decken.
Biomasse und Solarthermie unter Druck
Während Wärmepumpen zulegen, verlieren Holzpellet- und Scheitholzkessel an Attraktivität. Die Gründe sind vielfältig: höhere Investitionskosten durch strengere Emissionsauflagen, logistische Herausforderungen bei der Brennstoffversorgung und die wahrgenommene Komplexität der Systeme. Hersteller wie Hargassner, ÖkoFEN und KWB Kraft und Wärme reagieren mit kompakteren Geräten und einfacheren Bedienkonzepten, können den Trend aber nicht umkehren.
Solarthermie spielt im Schweizer Markt eine untergeordnete Rolle. Neuinstallationen konzentrieren sich auf Trinkwassererwärmung in Kombination mit anderen Heizsystemen. Als alleinige Wärmelösung ist Solarthermie wegen der hohen Anforderungen an Speicherkapazitäten und der winterlichen Ertragslücke wirtschaftlich wenig attraktiv.
Systemintegration und digitale Steuerung gewinnen an Bedeutung
Der Trend geht zur Hybridlösung: Wärmepumpen werden zunehmend mit Fußbodenheizung, bestehenden Heizkörpernetzen und Wärmetauschern kombiniert. Die Herausforderung liegt in der Heizlastberechnung und der hydraulischen Einbindung – Themen, bei denen Planungsfehler die Effizienz massiv mindern.
Auch Smart Building-Technologien gewinnen an Relevanz. Digitale Steuerungen, die Wärmepumpen netzverträglich betreiben und auf variable Stromtarife reagieren, sind mittlerweile Standard bei Neuinstallationen. Anbieter setzen auf Cloud-basierte Plattformen, die eine Fernüberwachung und vorausschauende Wartung ermöglichen.
Förderung bleibt wichtiger Treiber
Das Gebäudeprogramm CH: Förderung 2026 unterstützt Eigentümer finanziell bei der Umstellung auf erneuerbare Heizsysteme. Kantone gewähren Zuschüsse, die bis zu 30 Prozent der Investitionskosten abdecken können. Die Antragstellung ist jedoch bürokratisch, und nicht alle Kantone bieten einheitliche Förderbedingungen.
Ohne diese Anreize wäre der Umstieg auf Wärmepumpen wirtschaftlich deutlich weniger attraktiv. Die laufenden Betriebskosten sind zwar niedriger als bei Öl- oder Gasheizungen, die höheren Anschaffungskosten amortisieren sich aber erst nach mehreren Jahren. Die Förderprogramme bleiben daher ein zentrales Instrument der Energiepolitik.
Ausblick: Verbandsstrukturen und internationale Impulse
Die Branche organisiert sich neu. GebäudeKlima Schweiz strukturiert fachübergreifende Organe neu und setzt auf stärkere Vernetzung zwischen Heizung, Lüftung und Klimatechnik. Der Verband ist zentral für die Interessenvertretung gegenüber Bund und Kantonen – Details zur Struktur finden sich unter GebäudeKlima Schweiz: Wer sitzt im Verband?
Die Schweizer Branche beobachtet auch Entwicklungen in den Nachbarländern. Der österreichische Markt zeigt ähnliche Trends bei Wärmepumpen und Lüftung. Der regulatorische Druck steigt europaweit, doch die Umsetzung bleibt eine Frage der verfügbaren Fachkräfte und der finanziellen Anreize.